Es mag sein, dass man sich in einer sportlichen Kleidung am Wohlsten fühlt, auch, wenn man eigentlich gar nicht so sportlich ist, wie man darin aussieht. Sportbekleidung hat immer den Vorteil, sehr bequem zu sein; man denke einmal an die berühmte Jogginghose. Wären alle Menschen, die eine Jogginghose tragen, auch Jogger, wären viele Gewichtsprobleme oder Wohlstandserkrankungen nicht vorhanden und die Krankenhäuser beziehungsweise Ärzte weit weniger mit Behandlungen von Gefäßerkrankungen und anderen Zeichen der mangelnden Bewegung beschäftigt. Der Hang zur Bequemlichkeit ist bei manchen Menschen aber so groß, dass sie sich von ihren Sporthosen und T-Shirts am liebsten gar nicht mehr trennen würden.
Zu Hause darf es ruhig leger sein; das sollte sich aber schon dann ändern, wenn man Besuch erwartet. Manche Frau redet mit Engelszungen auf ihren Gatten ein, doch bitte anlässlich des Besuches der Schwiegereltern die Jogginghose gegen Jeans und das ausgeleierte T-Shirt gegen ein Hemd einzutauschen. Wenn es funktioniert, dann unfreiwillig und mit missmutigem Gesicht; die Jeans drückt, der Hemdkragen stört, der Besuch kann doch auch die legere Kleidung sehen?! Es geht noch weiter: Irgendwann nimmt der innere Schweinehund so sehr überhand, dass man zum Einkaufen, zum Besuch beim Nachbarn und zu anderen Anlässen nur noch in den Joggingklamotten auftaucht; ohne dabei auch nur ansatzweise über die Meinung der anderen nachzudenken.
Immerhin mag man es bequem – auch wenn die eigene Kleidergröße eigentlich noch lange kein Grund ist, gar nicht mehr erst nach normalen, eleganten Kleidungsstücken zu suchen. Auch Menschen, die weit vom sichtbaren und übermäßigen Übergewicht entfernt sind, trennen sich manchmal nur sehr ungern von ihrer Jogginghose und stoßen damit ihren Partner und andere Menschen vor den Kopf. Bequemlichkeit gehört zum Feierabend, aber sich gehen zu lassen, ist nicht das Gelbe vom Ei. Sportliche Kleidung ist, was sie ist, aber sicher nichts für jeden Anlass.
